Das Internet beinhaltet Informationen und Dokumente aus unterschiedlichsten Quellen.
Die Vielfalt des verfügbaren Materials erschwert das Auffinden konkreter Informationen
- die sprichwörtliche Suche der Stecknadel im Heuhaufen. Suchmaschinen erlauben
lediglich das Auffinden von Seiten, die gesuchte Zeichenketten enthalten - ihre
Bedeutung bleibt den Suchdiensten aber verschlossen und kann daher nicht zur Suche
verwendet werden. Es bleibt den Nutzern überlassen, diese Bedeutung erkennen und
interpretieren. Aufgrund dieser inhaltlichen Blindheit von Suchmaschinen muss man
mit vielen irrelevanten und unvollständigen Suchergebnissen zurechtkommen.
Auch der Austausch von Geschäftsdaten erfordert eine genaue Festlegung der
Bedeutung von Daten. Informationen über Produkte und Dienstleistungen können
nur dann reibungslos ausgetauscht und integriert werden, wenn ein gemeinsames
Verständnis über ihre Bedeutung existiert.
Das Semantic Web stellt Konzepte, Standards und Technologien bereit, die eine
automatisierte Verarbeitung von Informationen im Internet auf Bedeutungsebene
ermöglichen. Ein Austausch von Daten zwischen verschiedenen Anwendungen ist
damit ohne Missverständnisse und ohne Verlust von semantischer Information
möglich. Es ergeben sich neue Möglichkeiten für intelligente Netzdienste,
eine höhere Informationsqualität durch höhere semantische Präzision. Nutzer
können Anfragen über semantische Konzepte stellen und in Wissenbeständen navigieren.
Eine zentrale Rolle kommt hierbei der adäquaten Beschreibung von Ressourcen und
Diensten mit Metadaten und dem Herstellen von semantischen Beziehungen zwischen
Begriffen in diesen Metadaten zu. Für die Realisierung wurde vom World Wide Web
Konsortium das Resource Description Framework (RDF) als Standard entwickelt, das
eine einheitliche Modellierung und Repräsentation von Metadaten ermöglicht. Auf
dieser Basis stehen weitere Technologien zur Wissensrepräsentation bereit,
beispielsweise zur Darstellung von Ontologien (OWL) oder Regelanwendungen (RuleML).
Prof. Dr.-Ing. Robert Tolksdorf leitet die
Arbeitsgruppe Netzbasierte Informationssysteme an der Freien
Universität Berlin, die in den Bereichen XML-Middleware und
Sematic Web arbeitet. Er befaßt sich seit 1994 in Projekten
und Forschungsarbeiten, als Autor, Herausgeber und Referent mit
den Technologien des Web. Seine Forschungsschwerpunkte liegen bei
offenen Systemen, der Koordination darin und ihrer Anwendungen
wie Workflow Management. Die Arbeiten dazu verwenden als
technologische Basis die Standards um XML und das Semantic
Web.