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XML-Wirtschaftsforum 2007 – E-Health

Abstracts

E-Health aus Sicht von Kommunikations-Standards
Matthias Grünig, M.ITCONCEPT Informationstechnologie GmbH

XML, Semantic Web, Web Services und Ubiquitous/Pervasiv Computing sind Bausteine für eine entwickelte automatisierte Interaktion zwischen Institutionen, Personen und Maschinen und die Ad-hoc-Operabilität weltweit verteilten Wissens. Für das Gesundheitswesen ist das die Chance für eine verbesserte Kooperation der Spezialisten, für eine schnellere Umsetzung von Forschungsergebnissen, für neue Möglichkeiten von Feldstudien und nicht zuletzt für die Förderung der Gesundheitskompetenz des Individuums.

Für eine systemgestützte automatisierte Kommunikation und Nutzbarmachung von Wissen ist (derzeit noch) eine Vorverständigung auf semantische Standards unerlässlich. Anhand von Begriffsmodellen im Bereich der Labordiagnostik (LOINC Kodierung) werden exemplarisch die Problematik, der Stand der Dinge und die anstehenden Aufgaben im Bereich der Standardisierung in der Medizininformatik entwickelt. Die Lösung dieses häufig unterschätzten Einigungsprozesses der Experten auf eine fachspezifische Begrifflichkeit spielt in der Entwicklung der automatisierten Kommunikation eine technologische Schlüsselrolle und ist marktrelevant. Der Ausbau bestehender Standards ist zudem unmittelbare Voraussetzung für die geplanten Funktionen der Gesundheitskarte. Der Aspekt der privaten Nutzung dieser und neuer Standards zum Kompetenzgewinn bei der eigenen Gesunderhaltung eröffnet zudem ein Feld von neuen Diensten und massenhaften Anwendungen.

Erfahrungen mit XML als Basistechnologie für die medizinische Dokumentation
Jan Kohnert, FREY Computersysteme GmbH

Im modernen medizinischen Labor gilt es, ein großes Spektrum spezifischer Kommunikationsprozesse zu beherrschen: Schnittstellen zu Analysegeräten und Automatenstraßen, Kommunikation mit Softwaremodulen von Fremdherstellern, z. B. Krankenhausinformationssystemen, und die interne Kommunikation zwischen Softwaremodulen und zentralen Dienstleistungsprozessen, z.B. zur zeitnahen Bereitstellung von medizinischen Befunden.

Der Vortrag geht auf den Nutzen standardisierter Schnittstellen auf Basis von XML im Laborumfeld ein.

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Die Signatur des elektronischen Arztbriefes (Beispiel: CDA R2 und xmldsig)
Viktor Krön

Elektronische Arztbriefe sind aus Sicht der anwendenden Ärzte eine viel versprechende Anwendung. Dementsprechend groß ist das Interesse, insbesondere auch im niedergelassenen Bereich.

Vier Anforderungen müssen erfüllt sein:

  • Die Information muss leicht aus dem bestehenden Informationspool in den Arztbrief importierbar und aus dem Arztbrief in einen anderen (ggf. auch anders strukturierten) Informationspool exportierbar sein.
  • Der Arztbrief muss jederzeit für jeden Arzt (und Patienten) mit ubiquitär verfügbaren Browsern inhaltlich lesbar sein.
  • Die Granulierbarkeit muss den Erfordernissen anpassbar sein.
  • Auf Papier soll in absehbarer Zeit ganz verzichtet werden können.

Der Arztbrief nach Clinical Document Architecture Release 2 (CDA R2, auch genannt VHitG-Arztbrief) erfüllt die ersten drei Punkte und sieht grundsätzlich digitale elektronische Signaturen vor, macht dazu aber im XML-Schema keine erschöpfenden Vorgaben. Eine Arbeitsgruppe aus Informatikern und Ärzten (Industrie und Selbstverwaltung) erarbeitet einen Vorschlag für die digitale Signatur von CDA-R2-Dokumenten nach xmldsig und zeigt Skalierungsoptionen auf. Explizit nicht im Fokus stehen der Transportweg, die Verschlüsselung und die Langzeitarchivierung der Dokumente.

Inhaltliche Erschließung von Arztbriefen und Befunden
Mark Neumann, ID Berlin

Grundlagen:
Das semantische Netz ID MACS® ist ein zeitgemäßes System zur Abbildung medizinischer Sachverhalte auf terminologischer Basis. Diese Technologie versetzt den Computer in die Lage, auch inhaltlich zu "begreifen", worum es sich bei einem Fachbegriff handelt.

Anforderungen:
An die Verarbeitung ärztlicher Dokumente werden klare Anforderungen gestellt. Dazu zählen u. a. die Erkennung von Diagnosen, Medikamenten inkl. Dosierungsangaben, Materialen und Laborparametern. Zudem wird das Ignorieren von administrativen Angaben erwartet.

Zielsetzung:
Der auf dem semantischen Netz ID MACS® basierende Terminologieserver ID LOGIK® ist in der Lage, aus Freitexten elektronisch verarbeitbare, strukturierte Informationen zu extrahieren, auf weitere, nicht dokumentierte Diagnosen hinzuweisen, die Plausibilität von Diagnosen/Prozeduren- bzw. Diagnosen/Medikamenten-Kombinationen zu überprüfen und Unterstützung bei Vorschlägen für weitere Maßnahmen anzubieten.

Anwendungsmöglichkeiten:
Mit dem Terminologieserver ergeben sich eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten, wie die Be- und Verarbeitung von strukturierten und unstrukturierten Arztbriefen, die semantische Beschreibung von Kombinationen aus Diagnosen und Prozeduren, die Modellierung von Zusammenhängen zwischen unterschiedlichen Elementen oder Plausibilitätsprüfungen auf extrahierte Informationen. Zudem bieten sich im Bereich Telematikdienste unzählige Verwendungen.

Zusammenfassung
Der Terminologieserver ID LOGIK® erschließt und verarbeitet ärztliche Dokumente unter Nutzung semantischer Textanalysen. Er dient der Formalisierung und Nutzung von Informationen, die zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung gestellt werden.

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Mobile Health und Mobile Learning
Jo van Nouhuys, Condat AG

Mobile Health entwickelt sich immer mehr zu einem wichtigen Element der Patientenbetreuung. Die kontinuierliche Messung von Vitalparametern risikogefährdeter Patienten wie Puls, Temperatur und Aktivität über einzelne Sensoren und die einheitliche Übertragung der Werte über Mobilfunk an Ärztezentren oder Serviceeinrichtungen dient dem Monitoring von Risikopatienten und ermöglicht Hinweise und Verhaltensempfehlungen durch betreuende Ärzte an den Patienten bei Überschreitung von Schwellwerten. Neben sensorbasierten Informationen können Eingaben des Patienten in dasselbe mobile Endgerät über Befindlichkeiten, Arzneimitteleinnahmen und Nahrungsaufnahme zusätzliche wertvolle Daten über das persönliche Gesundheitsverhalten oder über Krankheitsrisiken liefern. Die entsprechend ausgewerteten Informationen können zusammen mit medizinischem Wissen, Tipps für das persönliche Verhalten und Trainingsempfehlungen für die nächsten Tage zu interaktiven Lerninhalten verknüpft werden. Damit bedient Mobile Health neben der Patientenbetreuung auch die Gesundheitsvorsorge durch das Gesundheitslernen in einer mobilen Gesellschaft.

Der Anspruch des Privaten auf Nutzung von Web Services – das Recht auf informationelle Selbstbestimmung als Basis dieses Anspruchs
Professor Dr. Dr. h.c. Franz-Joseph Peine, Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)

Institutionen tauschen Daten aus. Sie benötigen aus der Menge der Daten die bedeutenden. Dieses Ziel erreichen sie durch ein spezielles Werkzeug: Das World Wide Web wird zum Semantic Web. Darf das Werkzeug jeder nutzen? Die Antwort der Wissensgesellschaft lautet ja.

Ist das geltendes Recht? Die informationelle Selbstbestimmung wird bemüht. Nach ihr darf der Einzelne über die Erhebung, Speicherung, Weitergabe und Verarbeitung seiner persönlichen Daten selbst bestimmen. Sie ist kein Teilhaberecht. Ihr kann ein Anspruch gegen Dritte auf Überlassung des Werkzeugs nicht entnommen werden. Anderes verstieße gegen die Vertragsabschlussfreiheit.

Die informationelle Selbstbestimmung muss "neu gedacht" werden. 1. Sie setzt den freien Bürger voraus. Er möchte sich in Freiheit selbst verwirklichen. Die Alternative Freiheit oder Gleichheit und die Alternative Freiheit oder Sicherheit stellen sich ihm nicht. Informationelle Selbstbestimmung ist Ausdruck seiner Eigenverantwortung. 2. Bei ihr kann es nicht nur um den Schutz vor staatlichen Eingriffen und um den Schutz vor privaten Datensammlern (SCHUFA) gehen. Bei diesem Schutz handelt es sich um passive Positionen. Die Eigenverantwortung fordert eine aktive Komponente: Es geht um das (moralische) Recht des Privaten auf Haltung und Verarbeitung ihn selbst betreffender Daten und die daraus entstehenden Pflichten. Moralisch gibt es eine Pflicht zur Bereitstellung des Werkzeugs, wenn es nötig ist, damit der Private seine Daten sammeln und pflegen kann.

Prozessorientierte Abläufe und Datenströme im Gesundheitssystem von heute und morgen
Dr. med. Bernhard Tenckhoff, BIZYCLE

Die Behandlungsabläufe und Kommunikationsstrukturen im heutigen Gesundheitswesen sind geprägt von sektoralen Grenzen, Medienbrüchen und bereichsspezifischen Insellösungen. Gleichzeitig sind die einzelnen Bereiche in ihren jeweiligen Strukturen als Profitcenter auf die jeweilige Abrechnungsform angepasst und ausgerichtet. Übergreifende Qualitätssicherungsmaßnahmen und Outcome-Orientierung innerhalb des (letztendlich für den Patienten wichtigen!) Gesamtprozesses werden bisher nur ansatzweise umgesetzt.

Für die Umsetzung eines das Gesamtsystem befördernden und zukunftsfähigen Ansatzes ist eine konsequente Ausrichtung der Versorgungsstrukturen hin zu evidenzbasierten und Kosten-Nutzen kalkulierten Servicelines erforderlich. Grundlage hierfür ist eine umfassende Telematikinfrastruktur für das Gesundheitswesen, die Fortsetzung der sektoralen Verschmelzungsprozesse und die Möglichkeit zur Etablierung von übergreifenden Managementebenen. Neben der ökonomischen Seite und den sehr anspruchsvollen inhaltlichen medizinisch-pflegerischen Aspekten stellt vor allem die Systemintegration und Datenkommunikation der unterschiedlichen Komponenten aus den Sektoren eine große Herausforderung dar.

Mit dem Berliner Regionalen Wachstumskern "BIZYCLE" leisten 6 Industriepartner und die TU Berlin einen Beitrag für die weiteren Entwicklungen in der Health-Branche.

Informations- und Kommunikationstechnologie als Innovationstreiber für Gesundheitswesen und Medizin?
Prof. Dr. Herbert Weber, Gründungsdirektor des Fraunhofer Instituts für Software- und Systemtechnik ISST
  1. Medizintechnische Innovationen haben die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten enorm vergrößert. Anteil an dieser Entwicklung haben zu einem großen Anteil auch Informations- und Kommunikationstechnologien.
  2. In allen westlichen Ländern erfährt Gesundheitswesen und Medizin eine Neuausrichtung, um den demographischen Veränderungen in der Gesellschaft Rechnung zu tragen.
  3. Großunternehmen entwickeln Gesundheitswesen und Medizin zu ihren Geschäftsfeldern, in denen Milliardenerträge erwirtschaftet werden oder werden sollen.
  4. Wird damit Technologie und insbesondere auch Informations- und Kommunikationstechnologie zum Innovationsmotor im Gesundheitswesen und in der Medizin? Die Antwort auf diese Frage ist weder aus Sicht des Gesundheitswesens und der Medizin noch aus technologischer Sicht eindeutig zu beantworten. Sicher jedoch ist, dass die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen in nicht unerheblichem Maße die technologische Innovation behindern und unerwünschte Innovationen möglicherweise begünstigen.

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