XML-Wirtschaftsforum 2007 – E-Learning
Abstracts
Berlin – Stadt des Wissens: Nach dem Projekt ist vor dem Projekt
Eva Emenlauer-Blömers, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen Berlin
Der Beitrag gliedert sich in drei Themenbereiche: Im ersten werden
einige Daten und Fakten zur wirtschaftlichen Bedeutung von E-Learning und
online-gestützter Weiterbildung dargestellt. Der zweite Teil informiert über
die Ergebnisse und Erfahrungen des Programms "Berlin – Stadt des Wissens",
das über einen Zeitraum von 2 Jahren in Berlin durchgeführt worden ist
und sich gegenwärtig in der Schlussphase befindet. Im dritten Teil werden
Überlegungen zur Vernetzung der E-Learning-Akteure in Berlin und Ideen für
gemeinsame Projekte und Initiativen vorgestellt.
Von Freier Software zu Freier Bildung
Volker Grassmuck, Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik der Humboldt-Universität zu Berlin
Freie Software ist das Vorbild: Alles, was man darüber lernen kann, ist im
Internet frei verfügbar. Die ursprünglich freie Wissenskooperation konnte
sich gegen das Aufkommen proprietärer Software-Produkte behaupten. Hier
zeigte sich erstmals das Potential, das sich entfaltet, wenn Autoren ohne
Intermediäre selbst über ihre Produktions- und Distributionsmittel
verfügen. Wikipedia und elektronische Musik sind weitere herausragende
Beispiele für freilizenzierte Wissensallmenden.
Das wissenschaftliche Publikationswesen ist im 20. Jahrhundert unter die
Kontrolle eines Verlagsoligopols geraten. In keinem anderen Wissensbereich
klafft das quid-pro-quo von öffentlichem Zugang und privater Kontrolle,
das das Urheberrecht zu erzielen beansprucht, so eklatant auseinander.
Nirgends sonst sind die Chancen einer freien Kooperation so evident wie in
den öffentlichen Wissenschaften. Umso erstaunlicher ist es, wie mühsam,
aber ohne Frage unaufhaltsam die Befreiungsbewegung zum Open Access
voranschreitet.
In der Bildung liegen die Verhältnisse ganz ähnlich. Öffentlich besoldete
Lehrende sind auf das Angebot weniger Lehrbuchverlage angewiesen und
erfinden in ihren eigenen Materialien das Rad immer wieder neu. Einen
wichtigen Impuls gab das MIT mit seiner Open-Courseware-Initiative. Das
Science Commons der Creative-Commons-Initiative und die Vorbereitung einer
Grundsatzerklärung nach Art der Budapest Declaration sind weitere Schritte
zu einer Bewegung für freie Bildungsmaterialien.
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Das E-Portfolio als Online-Werkzeug für lebenslanges Lernen und Kompetenzentwicklung: Definitionen, Anwendungsbereiche und Beispiele
Jörg Hafer, Kolja Schönfeld, Educational Design – Bildung und Technologie GmbH
Zur Abgrenzung von E-Portfolios von anderen Anwendungen mit
Portfolio-Eigenschaften (z.B. social networking software) in der aktuellen
Debatte um das individualisierte Mitmach-Internet (Web 2.0) schlagen wir vor,
den Kontext und die Merkmale von E-Portfolios aus der Sicht der Anwender
zur näheren Bestimmung heranzuziehen: E-Portfolios sind demnach persönliche
Online-Umgebungen, in denen digitale Objekte und Werkzeuge durch die Eigner
des Portfolios zusammengestellt, organisiert und vernetzt werden, wobei
die Kontrolle über Zugänglichkeit und Inhalte vollständig in der Hand der
Autoren und Autorinnen verbleibt.
Ausgehend von dieser nutzerorientierten Definition kann gezeigt werden,
wie E-Portfolios im Kontext von Bildung in verschiedenen Anwendungsbereichen
einen wichtigen Stellenwert einnehmen können. Das Konzept scheint überdies
dazu prädestiniert, für die bislang getrennten Bereiche formaler, informeller
und nicht-formaler Lernaktivitäten und Lernerfahrungen ein integrierendes
Instrumentarium zu schaffen.
Vor dem Hintergrund dieser Definition lassen sich die verschiedenen
Anwendungsbereiche und Formate, die unter dem Stichwort E-Portfolios
subsumiert werden, einordnen und beurteilen. Dafür nehmen wir drei konkrete
Anwendungsbereiche von E-Portfolios in den Blick: a) die Entwicklung und
Anwendung des Europass-CV und dessen Weiterentwicklung zu einem öffentlichem
E-Portfolio-Angebot in Wales (UK), b) die Entwicklung an den Hochschulen,
insbesondere das Open-Source-Projekt "Mahara", und c) ein aktuelles
Entwicklungsprojekt, in dem ein Kompetenz-Portfolio für die Begleitung von
Absolvent/-innen der Berliner Hochschule der Künste exemplarisch umgesetzt
worden ist.
Ausgehend von diesen Beispielen skizzieren wir eine Entwicklungsstrategie
für E-Portfolio-Instrumente, die dafür geeignet ist, Lösungen für aktuelle
technische Problemfelder und tragfähige Szenarien für den integrierenden
Einsatz von E-Portfolios auf der Folie des biografischen Lernens zu
verbinden.
Nachhaltige Weiterbildungsstrategien und E-Learning-Modelle für KMUs
Dr. Ileana Hamburg und Thorsten Busse, Institut für Arbeit und Technik der Fachhochschule Gelsenkirchen
Um am Markt erfolgreich agieren zu können, benötigen kleine und
mittlere Unternehmen (KMU) Wissen über Technologien, Produkte und
Dienstleistungen. Gleichzeitig sind sie jedoch auch oftmals Anbieter
von Wissen für ihre Kunden. Beide Funktionen können durch nachhaltige
Weiterbildungsstrategien unterstützt und optimiert werden. Lernen mit Neuen
Medien (Stichwort „E-Learning“) kann zu einem wichtigen Treiber für eine
höhere Qualität und Quantität von Weitererbildungsprozessen werden. Es kann
selbstorganisierte Lernformen unterstützen, das Lernen im Prozess der Arbeit
erleichtern und zu einer höheren Flexibilität beitragen sowie lebenslanges
Lernen fördern.
Leider verfügen die meisten KMUs nicht über das Wissen und die
Ressourcen für die Planung, Konzeption und Umsetzung einer nachhaltigen
Weiterbildungsstrategie unter Einbeziehung von E-Learning. Sie sind deswegen
auf Unterstützung durch Bildungsanbieter/Berater oder die Kooperation in
Verbünden bzw. in Verbänden angewiesen. Ein Modell, das die Rahmenbedingungen
für eine nachhaltige Weiterbildungsstrategie aufzeigt und die einzelnen
Schritte bei der Einführung von E-Learning in KMUs beschreibt, soll bei der
Analyse und Identifizierung von Weiterbildungsbedarfen in KMUs helfen. Diese
Modelle sollen bei der Konzeption, Durchführung und Evaluation von konkreten
Problemlösungen für KMUs zum Einsatz kommen.
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METORA - Kooperatives Wissensmanagement in organisationsübergreifenden Netzwerken
Thomas Klauß, BITKOM e. V., Projektleiter METORA
In einer hochgradig spezialisierten und globalisierten Wirtschaft mit
immer kürzeren Innovationszyklen sind vor allem kleine und mittelständische,
aber auch größere Unternehmen vieler Branchen zunehmend gezwungen, sich mit
Geschäfts- oder Kooperationspartnern zu vernetzen, um sich im Wettbewerb
behaupten zu können.
In Netzwerken profitieren sie von dem Wissen, den Erfahrungen und
den Lösungsangeboten von Experten aus Industrie und Wissenschaft oder
dem Austausch mit Praktikern. Kooperationen in Netzwerken helfen auch bei
der zeitnahen (Weiter-)Entwicklung, Einführung und Vermarktung innovativer
Produkte oder Dienstleistungen oder der Etablierung unternehmensübergreifender
Wertschöpfungsketten.
Das vom BMWi geförderte Projekt METORA bietet hierzu Unternehmen
und Institutionen als Netzwerk-Plattform Veranstaltungen wie
Wissens-werkstätten/Workshops und Netzwerktreffen und vor allem ein
service-orientiertes Portal mit
- themenorientierten Communities,
- offenen und geschlossenen Arbeitsbereichen,
- Collaboration-, Content- und Dokumenten-Management-Services und
- einem semantisch strukturiertem und grafisch navigierbarem Wissens- und Expertenpool.
Distributionsmöglichkeiten für E-Learning Content - neue Ansätze bei lernmodule.net
Uwe Kohnle, lernmodule.net gGmbH
lernmodule.net trägt dazu bei, dass Vorteile computergestützter Medien
für den Unterricht stärker zum Tragen kommen. Insbesondere ist eine
Arbeitserleichterung für Lehrende nötig.
Lehrende sind an Inhalten interessiert, deren Qualität sie schnell
einschätzen und die sie ohne Hürden Just-in-time z.B. zur gezielten Förderung
oder zur Überbrückung von Unterrichtsausfällen einsetzen können. Die Inhalte
stehen an erster Stelle.
Lernmodule.net hat das Distributionsverfahren für E-Learning Content
geändert: Ausgehend von der Wahl der Inhalte können Lehrende ohne
vorherige Registrierung und völlig anonym innerhalb weniger Minuten
einen Kurs einrichten. Detaillierte Lernstandsrückmeldungen tragen zur
Arbeitserleichterung bei; Kommunikationsfunktionen kommen auf Wunsch hinzu und
ebnen den Weg hin zu komplexeren Einsatzszenarien. Über 100.000 angemeldete
Nutzer zeigen, dass dieses neuartige Distributionsmodell angenommen wird.
Inzwischen zeigt sich eine stärkere Differenzierung: Einerseits wird eine
Lernplattform oftmals nicht benötigt. Andererseits gibt es zunehmend Lehrende,
die ein komplexeres Learning-Management-System wie etwa Moodle nutzen.
Das neue Distributionsmodell erlaubt es Abnehmern, auf sie zugeschnittene
SCORM-Module ohne Lernplattform über die von lernmodule.net zentral bereit
gestellte oder über die eigene Plattform einzubinden. Bei allen Varianten
können Lernstände gespeichert und abgerufen werden. Die Pflege und Abrechnung
wird durch ein zentrales System erleichtert.
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Ich sehe das, was Du nicht siehst
Christian Lippmann, structura Gores-Pieper Andrea Voß GbR
Einführung von E-Learning und online-gestützten Wissensmanagementsystemen
in einem KMU – Überlegungen aus Sicht der Organisationsentwicklung
Die Erfahrung zeigt, dass vor allem kleine Unternehmen nicht E-Learning
suchen, sondern Lösungen bei konkreten Geschäftsproblemen. Wir von structura
schauen mit dem Blick der Organisationsentwicklung auf diese Anforderungen
bei der Personalentwicklung und der Optimierung von Abläufen.
Eines der vorrangigen Probleme in Unternehmen ist das Erhalten von zum Teil
sehr komplexem Erfahrungswissen und Erfahrungen, die im Arbeitsprozess gemacht
werden und in den Köpfen interner „Experten“ verharren. Unter dem Stichwort
"Wissensmanagement" gibt es ausgearbeitete Konzepte. Wenig davon erreicht
den konkreten Arbeitsalltag der Betriebe. Unter dem Motto "Lernen – Just in
Time" liegt für uns die Herausforderung darin, den richtigen Methoden-Mix
für die jeweilige Unternehmenskultur zu finden und für den Mitarbeiter im
hektischen Arbeitsalltag akzeptabel zu machen – vor allem mit den technischen
Möglichkeiten, die das Internet bietet. Inhalte und Technik müssen sich
jedoch schnell erschließen und flexibel anpassen lassen, ansonsten gehen
wichtige Erfahrungen und Informationen verloren. Für das Auffinden einer
Problem lösenden Information wird sich der durchschnittliche Mitarbeiter im
hektischen Alltag maximal 10 Minuten Zeit nehmen – das "Nicht-Dokumentieren"
und Vergessen geht erfahrungsgemäß wesentlich schneller ...
Am konkreten Beispiel eines Brandenburger Druckereibetriebes stellen wir
unsere konzeptionellen Überlegungen und die zu erwartenden Hürden dar. Neben
technischen Hürden spielen dabei vor allem menschliche Faktoren eine Rolle:
Kompetenzüberschneidungen, Machtverlust, Verantwortungsablehnung, fehlende
Transparenz … all jene Fragen, die unter der Wasseroberfläche lauern und
eine innovative Technik schnell zur Lachnummer werden lassen.
Blended-Learning-Angebote für Kleinst- und
Kleinunternehmen – Erfahrungen aus dem Projekt KMU-Infokompetenz
Brigitte Pott, Institut für Bibliotheks- und
Informationswisssenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin
Das Wirtschaftsleben hängt in hohem Maße vom Zugang zu
Information ab. Es gilt als unbestritten, dass die Kompetenzen in der
Suche und im Umgang mit elektronischer Information ein Schlüsselfaktor
für den Innovationserfolg von Unternehmen sind. Die systematische
Anleitung zur Nutzung von Informationsquellen aller Art ist in den
bisherigen Studien- und Ausbildungsgängen und damit in den Köpfen von
Absolventen allerdings wenig verankert. Qualifizierung und Förderung der
Arbeitnehmer sind in Bezug auf ihre allgemeine und berufliche
Informations¬kompetenz daher unabdingbar.
Das ESF-Projekt „Informationskompetenz als Schlüsselqualifikation für
Lebenslanges Lernen von Hochschulabsolventen in Berliner Klein- und
Mittel-Unternehmen“ wird in Verbindung mit mehreren Kooperationspartnern
durchgeführt. Im Qualifizierungsteil wird seit Herbst 2006 Teilnehmern
aus Berliner Unternehmen im Rahmen eines Blended-Learning-Angebots
Gelegenheit gegeben, einen umfassenden Überblick und praktische
Fertigkeiten im Bereich Recherche und Aufbereitung wirtschaftsrelevanter
Informationen zu erwerben.
Neben der Darstellung des im Projekt entwickelten Lernangebots soll
in diesem Beitrag insbesondere auf die Teilnehmer- und
Interessenstruktur der bisher beteiligten Kursteilnehmer eingegangen
werden sowie auf die Frage, was sich daraus für die Gestaltung von
berufsbegleitenden Lernangeboten für diese Zielgruppe ableiten
lässt.
Semantische Integration von E-Learning Content in Lernmanagement Systemen -
Konzepte und Erfahrungen aus der hylOs-Perspektive
Fritz Richter, link-lab
Lernmanagement (LMS)- und E-Learning-Content-Management-Systeme
(LCMS) sind für den heutigen Einsatz digitalen Lernens unabdingbare
Hilfswerkzeuge. Unterstützt ein LMS die administrative Abbildung von Kursen
und deren Zuordnung zu Teilnehmern sowie das Verknüpfen von Lernmaterialien
mit einzelnen Lektionen, dient ein LCMS der Verwaltung dynamischen Contens
an sich. Mit ihm werden multimediale Lerneinheiten flexibel erzeugt,
semantisch angereichert und kontextspezifisch zusammengesetzt. Die so
entstehenden Inhaltspakete lassen sich über die Standardschnittstelle SCORM
dem LMS zugänglich machen. Hierbei ist es nötig, einerseits die vom LCMS
vorgenommenen hochwertigen semantischen Auszeichnungen und Inhaltszusammenhänge
beizubehalten und andererseits die vom jeweiligen LMS unterstützen Funktionen,
z.B. die Übernahme von Metadaten, spezifisch zu berücksichtigen.
Das Sharable Content Object Reference Model (SCORM) ist in mehreren
Versionen standardisiert. Viele der angebotenen Lernmanagementsysteme
unterstützen aber weder alle SCORM-Varianten noch interpretieren sie den
Standard einheitlich. In diesem Vortrag stellen wir Konzepte und Erfahrungen
zur nahtlosen und effizienten Integration von Content in Lernmanagementsystemen
auf der Grundlage des von hylOs verfolgten modularen eLO-Ansatzes vor.
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Wissensmanagement in und für KMUs: Motive - Visionen - Strategien
Klaus-Dieter Teufel, bbw Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg e.V.
Ein umfassendes Wissensmanagement in KMUs kann den Wissensstandort
Deutschland voranbringen – das zeigten viele (Pilot-) Projekte. Unter
Wissensmanagement verstehen wir im bbw Instrumente, die Unternehmen dabei
unterstützen,
- unternehmerische Ziele zu bestimmen, deren Erreichung stark mit der Ressource Wissen zusammenhängt,
- vorhandenes Wissen im Unternehmen zu identifizieren,
- externes Wissen zu erwerben,
- neues Wissen aus dem Unternehmen heraus zu generieren und Wissen im Unternehmen an relevante Stellen zu verteilen,
- organisatorische Voraussetzungen für die optimale Wissensnutzung zuschaffen,
- Wissen zu bewahren und intelligent aufzubereiten und
- Wissen zu bewerten.
In Berlin gibt es viele Kompetenzträger für Wissensmanagement: IT-Häuser,
Verlage, Bildungsdienstleister, Forschungs- und Fachinformationszentren
und Hochschulen.
Unsere Vision ist es, mit diesen Anbietern gemeinsam KMUs zu motivieren,
ihre unternehmerischen Ziele – wie z. B. Optimierung des Prozess- oder
Projektmanagements der Produktionssteuerung des Kundenbeziehungs-management,
der Personalentwicklung, die Bewahrung des Wissens ausscheidender
MitarbeiterInnen oder auch die Darstellung des Wissens und der Kompetenzen
des Unternehmens in der Öffentlichkeit und bei Kunden – mit Wissensmanagement
zu befördern.
Wir beraten die KMUs bei geeigneten Strategien, mit denen mittel- bis
langfristig unternehmensspezifische Methoden des Wissensmanagements im
gesamten Unternehmen entwickelt und eingeführt werden können.
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